Heilweisen der ganzheitlichen Heilkunde

Ganzheitliche Heilkunde versucht, den Menschen unter Nutzung oder zumindest weitestgehender Wahrung seiner in ihm wohnenden Gesundungs- und Entwicklungsmöglichkeiten zu behandeln. Die aus der Naturwissenschaft, Geisteswissenschaft und Erfahrungsheilkunde stammenden Therapieverfahren sollen dabei unter Berücksichtigung dieses Zieles nach der individuellen Situation des Kranken sinnvoll zusammengestellt werden.

Die diagnostischen und therapeutischen Prinzipien der Lehrmedizin haben ihren festen Platz auch im Bereich der ganzheitlichen Heilkunde. In bestimmten Situationen sind lehrmedizinische Behandlungsmethoden unerläßlich, bedürfen aber stets einer kritischen Wertung aus ganzheitlicher Sicht.

Eine wesentliche Behandlungsgrundlage bildet angesichts des gedankenlosen, übermäßigen Verzehrs minderwertiger Nahrungsmittel – wie Fabrikzucker, Auszugsmehl, raffinierte Fette und Konserven – die Umstellung der Ernährung auf eine vollwertige Kost. Sie enthält als wichtige Bestandteile Vollkornprodukte, naturbelassene Fette und Frischkost, wobei schadstoffarmen Produkten aus naturgemäßem Anbai der Vorzug gegeben werden sollte.

Aus dem Bereich der Erfahrungsheilkunde stehen zahlreiche Methoden zur Verfügung, die sich in der Vergangenheit als wirk- und heilsam erwiesen haben und einem ganzheitlichen Therapiekonzept nicht widersprechen. So haben sich unter anderem die Ausleitungsverfahren, die Kneipp’sche Hydrotherapie, die Phytotherapie und die Segment- und Neutraltherapie bewährt.

Einen Schwerpunkt ganzheitlicher Heilkunde stellt die Arzneitherapie mit potenzierten Substanzen dar. Mit der Homöopathie hat Samuel Hahnemann einen Weg gezeigt, aus Grundsubstanzen der Mineral-, Pflanzen- und Tierreichs heilende Kräfte freizusetzen und sie gezielt auf den individuellen Krankheitsprozeß anzuwenden.
Durchschaubar wurde das homöopathische Arzneibehandlungsprinzip später durch die Erkenntnisse der Anthroposophie, die darüber hinaus mit der Einführung neuer Arzneimittel eine wertvolle Ergänzung zur Homöopathie schuf.

Auch der Bereich der Künste wurde von der Anthroposophie neu belebt. Rudolf Steiner schuf nicht nur neue Kunstformen, sondern er vermittelte auch ein Kunstverständnis, welches die Künste im Sinne einer künstlerischen Therapie fruchtbar werden ließ. So können bildende Kunst, Musik, Eurythmie, Sprachgestaltung und Heilwerken als Mittler zwischen geistiger Welt und Erde die erlebende Seele bereichern und auf den ganzen Menschen heilend wirken.

Zunehmende Bedeutung kommt ferner der Psychotherapie zu, da viele Erkrankungen unübersehbar zusammenhängen mit ungelösten und belastenden seelisch-geistigen Grundproblemen der Menschheit. Aktuelle Lebenskrisen oder die Sehnsucht nach der Beantwortung existentieller Fragen, wie nach der Herkunft der Angst, der Bedeutung von Schuld oder nach dem Sinn von Leben und Tod, wecken im Menschen das Bedürfnis nach einer Behandlung, die auch psychotherapeutische Elemente enthält.
Psychotherapie beginnt bereits da, wo zwischen Patient und Therapeut eine vertrauensvolle Beziehung entsteht. Hier können der Lebensweg und die seelisch-geistige Entwicklung des Patienten erhellt werden, und es kann durch Gespräche und Vermittlung von Literatur Verständnis für die oft zwiespältigen zwischenmenschlichen Beziehungen gewonnen werden.
Schon bald wird dem Patienten deutlich, wie stark unbewußte Seeleninhalte seine alltäglichen Lebensäußerungen färben, und in der weiteren Annäherung an sein Unbewußtes begegnet er seinen verborgenen, eher ungeliebten Wesenszügen, die ihn vor die Frage nach der Rolle des Bösen in der menschlichen Entwicklung stellen.
Das stets leidvolle Erleben seiner menschlichen Unvollkommenheit und ihre erkämpfte Annahme sind Wegbereiter eines inneren Wandlungsprozesses, der den Menschen zu Selbständigkeit, Eigenverantwortlichkeit und innerer Freiheit führen kann.
Aussöhnungen mit dem Schicksal, Annahme von Schuld, zunehmende Opfer- und Liebesfähigkeit sind die schwer errungenen, reifen Früchte eines solchen Weges zu erneuerter Religiosität.

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